Navigation

16 Kantonale Unterschiede erschweren Bildung von regionalen Palliative Care-Netzwerken

 

Die Palliativversorgung in der Schweiz hat in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht. Dennoch bestehen zahlreiche Herausforderungen in Bezug auf die Bildung regionaler Netzwerke, aber auch bezüglich der interprofessionellen Zusammenarbeit und der koordinierenden Rolle der Pflegenden. Gründe dafür sind unter anderem ein Mangel an finanzieller Zusammenarbeit, aber auch an "kooperativer Denkweise" vor Ort.

Porträt / Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Verschiedene Akteure der Palliative Care wie Hausärzte/-innen, Spezialisten/-innen aus Hospizen und Pflegeheimen, mobile Palliativteams, Sozialarbeiter/-innen, Seelsorger/-innen sowie Angehörige von Palliativpatienten/-innen wurden zu zentralen Aspekten der Palliativversorgung befragt. Nebst den strukturellen Voraussetzungen für die Palliativversorgung wurden auch zentrale Aspekte von Versorgungsprozessen, die Koordination von Versorgungsleistungen sowie wichtige Dimensionen der Versorgungsqualität im Bereich Palliative Care analysiert. Als Datengrundlage diente eine Vielzahl von leitfadengestützte Interviews sowie eine schweizweit durchgeführte Umfrage bei in der Palliativversorgung tätigen Fachpersonen. Auf dieser Grundlage wurde eine Reihe von Empfehlungen zuhanden der Politik, zur Aus- und Weiterbildung sowie zum Versorgungsalltag formuliert, um die Zusammenarbeit und Koordination in der Palliativpflege zu verbessern.

Hintergrund / Ausgangslage

Palliative Versorgungsnetzwerke basieren auf dem Zusammenspiel von verschiedenen, voneinander abhängigen Akteuren des Gesundheitswesens. Weder die Zusammenarbeit noch die Koordination innerhalb dieser Netzwerke wurden in der Schweiz bisher untersucht. Um den Zugang zu palliativen Angeboten für die gesamte Bevölkerung zu fördern und unnötige Spitaleinweisungen zu vermeiden, bedarf es gesichertes Wissen zu erfolgreichen Modellen in diesem Bereich.

Ziele

Ziel der Studie war es, die Zusammenarbeit und Koordination von Leistungserbringern sowohl innerhalb der palliativen Grundversorgung als auch zwischen der Grundversorgung und der spezialisierten Palliativversorgung zu analysieren. Zudem wurden erfolgreiche Formen der lokalen und regionalen Versorgung sowie die notwendigen Voraussetzungen identifiziert und deren Wirkungen auf Patienten/-innen ermittelt.

Resultate

Die Schweiz hat in der Palliativversorgung in den letzten Jahren beträchtliche Fortschritte gemacht. Trotzdem besteht noch grosses Optimierungspotenzial. Gegenwärtig ist die Palliativversorgung in jedem Kanton unterschiedlich organisiert, was die Bildung von regionalen Netzwerken erschwert und sich nachteilig auf die Qualität der Dienstleistungen auswirkt. Weiter ist die interprofessionelle Zusammenarbeit schwach entwickelt, und die Koordination von Pflege und medizinischen Leistungen innerhalb der ambulanten Palliativversorgung und an der Schnittstelle zur fachärztlichen Versorgung ist anspruchsvoll. Schliesslich bleibt die stark koordinierende Rolle der Krankenpflegenden informell, obwohl sie im Allgemeinen als Schlüsselkräfte innerhalb und zwischen den provisorischen Bereichen, insbesondere in der häuslichen Palliativpflege, fungieren. Die Gründe für diese Lücken und Fehlanpassungen sind vielfältig; sie beruhen unter anderem auf einem Mangel an finanzieller Zusammenarbeit, aber auch an "kooperativer Denkweise" vor Ort.

Bedeutung / Anwendung

Bedeutung der Resultate für die Praxis

Die Studie generierte empirisches Wissen und Empfehlungen zuhanden der politischen Entscheidungsträger/-innen im Schweizer Gesundheitssystem zur Verbesserung der Zusammenarbeit und Koordination in der primären Palliativversorgung und darüber hinaus. In enger Zusammenarbeit mit Hausärzten/-innen wurde ein Konzept und eine Agenda für die Durchführung von "interprofessionellen Qualitätszirkeln" für Angehörige verschiedener Gesundheitsberufe sowie für Unterstützungsdienste entwickelt.

Originaltitel

Coordination and collaboration in primary palliative care. Palliative care networks in Switzerland.

Projektverantwortliche

Hauptgesuchstellerin:

  • Prof. Dr. Brigitte Liebig, Hochschule für Angewandte Psychologie, Fachhochschule Nordwestschweiz

Weitere Gesuchstellende:

  • Dr. Maya Shaha, Institut universitaire de formation et recherche en soins, Université de Lausanne
  • Dr. Claudia Palmesino, Servicio Cure Palliative, Ospedale S. Giovanni
  • Dr. Klaus Bally, Universitäres Zentrum für Hausarztmedizin, Basel
  • Prof. Elisabeth Zemp Stutz, Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut, Basel

 

 

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

Prof. Dr. Brigitte Liebig Fachhochschule Nordwestschweiz Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW Riggenbachstrasse 16 4600 Olten +41 62 957 23 61 brigitte.liebig@fhnw.ch

Zu diesem Thema